Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat zusammen mit dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und IW Consult im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz eine umfangreiche Studie vorgelegt: „Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien” (Redaktionsschluss Juli 2025).
Die Ergebnisse sind beeindruckend.
10 Milliarden Euro – allein im Jahr 2023
Durch Herstellung, Installation und Betrieb von Windenergie- und Photovoltaikanlagen wurden im Jahr 2023 rund 10 Milliarden Euro an direkter Wertschöpfung generiert. Davon entfallen über 60 Prozent auf Windenergie, über 30 Prozent auf PV-Dachanlagen und etwa 8 Prozent auf PV-Freiflächenanlagen.
Circa 55 Prozent dieser Wertschöpfung können direkt in den Standortregionen verbleiben.
Verdopplung bis 2033
Bis 2033 erwarten die Forscher eine Verdopplung auf rund 21 Milliarden Euro bundesweite direkte Wertschöpfung. Das Minimum der regional verbleibenden Effekte wird auf ca. 8,6 Mrd. Euro geschätzt (Szenario reg_min), realistisch eher bei 10,2 Mrd. Euro.
Über 100.000 Arbeitsplätze
Im Jahr 2023 wurden bundesweit 51.000 direkte Vollzeitarbeitsplätze generiert. Bis 2033 sollen es über 100.000 sein. Zählt man indirekte und induzierte Effekte hinzu, waren es schon 2023 rund 183.100 Vollzeitarbeitsplätze (bzw. 191.400 beschäftigte Personen).
Spillover-Effekte: 7–10 Prozent des BIP-Wachstums
Die Studie zeigt auch gesamtwirtschaftliche Spillover-Effekte: In Kreisen mit dem stärksten EE-Ausbau können 7 Prozent des BIP-Wachstums der letzten zehn Jahre durch Windenergie erklärt werden – beim Solarausbau sogar 10 Prozent.
Die Produktivitätssteigerung entsteht unter anderem durch Pachteinnahmen, die Ansiedlung spezialisierter technischer Dienstleister und die Veränderung der regionalen Wirtschaftsstruktur.
Strukturschwache Regionen profitieren besonders
Fünf Beispielgemeinden – alle im ländlichen Raum und in GRW-Fördergebieten – zeigen, wie Erneuerbare Energien neue Perspektiven schaffen können. Dardesheim, Feldheim, Lichtenau, Wilstedt und Wunsiedel standen einst vor tiefgreifenden wirtschaftlichen und demografischen Herausforderungen. Der EE-Ausbau half ihnen, kommunale Einnahmen zu steigern, Arbeitsplätze zu schaffen und die Abwanderung zu bremsen.
„Wir waren pleite als Kommune. Was wir hatten und haben, ist halt ganz viel Fläche, wenig Einwohner und relativ viel Wind.” — Michael Knape, Bürgermeister der Stadt Treuenbrietzen
Beteiligung ist der Schlüssel
Die Studie identifiziert verschiedene Beteiligungsmodelle für Kommunen und Bürger:
- Gewerbesteuereinnahmen aus dem Anlagenbetrieb
- Pachteinnahmen für kommunale und private Flächen
- Freiwillige Zahlungen nach § 6 EEG
- Bürgerenergiegesellschaften und Energiegenossenschaften
- Nachrangdarlehen und Bürgerstrom-Modelle
Der Erfolg basiert auf transparenter Information, frühzeitiger Bürgerbeteiligung und engagierter kommunaler Steuerung.
Handlungsempfehlungen
Die Studie schließt mit konkreten Empfehlungen an die Politik:
- Regionale Energieagenturen stärken
- Beteiligungsmöglichkeiten für Kommunen und Anwohnende ausbauen
- Strukturschwachen Kommunen Investitionen in EE ermöglichen
- Energiegemeinschaften vereinfachen
- Kommunen bei der Flächenausweisung mehr Mitsprache geben
Fazit
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Erneuerbare Energien sind nicht nur Klimaschutz, sondern ein massiver Wirtschaftsfaktor – besonders für ländliche und strukturschwache Regionen. Wer den Ausbau klug gestaltet und die Menschen vor Ort beteiligt, schafft Wohlstand, Arbeitsplätze und Zukunftsperspektiven.
Die vollständige Studie ist hier als PDF verfügbar.